Unterhemd und Bruche
Das Unterhemd besteht aus Leinen und endet - etwas kürzer als die Oberbekleidung - oberhalb vom Knie. Um mehr Weite zu erhalten, können im unteren Teil zwei oder vier Keile (sogenannte Gehren) eingearbeitet werden. Gaewfrics Unterhemd hat keine Gehren und erreicht die notwendige Weite durch entsprechenden Zuschnitt.
Anders
als heute bestand die männliche Beinbekleidung über einen großen
Zeitraum des mitteleuropäischen Mittelalters nicht aus den heute bekannten
Hosen.
Durch
Durchsetzung der, wahrscheinlich unter byzantinischen Einfluss stehenden,
langen Bekleidung höherer Stände setzten sich schätzungsweise
im 11ten Jahrhundert lange, bis zum Schritt reichende Strümpfe, Beinlinge
genannt, in Kombination mit der Bruche (oder Brouche) durch.
Diese war zuerst vermutlich recht lang, mit Schlitzen an der Beinhinter- oder innenseite, verkürzte sich im Verlaufe der Hochgotik jedoch zusehends, während die Beinlinge folgten, und immer länger wurden, je mehr sich kurze Kleidung durchsetzte.
Es gibt eine Menge sehr "interessanter" Schnittmuster und Bauanleitungen für die Bruche im Internet zu finden. Die meisten gehen davon aus, dass der Umfang der Bruche das 2,5-fache des eigenen Bauchumfangs betragen soll. Ich will das hier gar nicht in Abrede stellen, jedoch haben eigene Versuche dazu geführt, dass man das daraus resultierende Ergebnis problemlos einem ausgewachsenen Berggorilla anziehen könnte und er keine Beklemmungen zu befürchten hätte.
Aus
dem Grund habe ich den Schnitt der Bruche etwas modifiziert und deutliche
weniger Umfang angenommen. Sie ist immer noch weit und durchaus etwas "windelartig",
mir erscheint sie so nur sehr viel praxistauglicher.
Außerdem habe ich eine längere Form der Bruche gewählt, umdiese an sehr heißen Tagen auch als "normale" Hose tragen zu können.
Hier sieht man auch sehr deutlich, dass man aus der Bruche sehr einfach
eine "echte" Boxershort machen kann. Dem mittelalterlichen Badespaß steht
somit nichts mehr im Wege.